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In memoriam Egon Meurer

Vor 10 Jahren starb Egon Meurer als Beifahrer bei einem Verkehrsunfall auf einer walisischen Landstrasse. Er war Mitbegründer der Scuderia Augustusburg Brühl und Mit-Reaktivator der Rallye Köln-Ahrweiler im Jahr 1994. Nachstehend ein kleines Portrait ohne Anspruch auf Vollständigkeit an dieses Motorsport-Tausendsassa, der dieses Jahr 61 Jahre jung geworden wäre.

Egon und die 24h auf dem Nürburgring, seine Youngtimer, sein ADAC Nordrhein, sein Report, seine Vereine, seine Rallye-Leidenschaft, sein offenes Ohr für jedermann, seine Rallyeautos. Er war hauptberuflich in der Sportabteilung des ADAC in Köln beschäftigt, somit eigentlich ein Funktionär. Aber einer der funktionierte. Denn er war ein Aktiver, ein Motorsportler durch und durch, der beide Seiten der Medaille kannte. Und erfolgreich, immerhin Rang 20 in der DRM 1978.

Egon war kein Theoretiker. Er war von der Praxis geprägt, der Motorsport-Praxis. Er kannte sich im Fahrerlager und Servicepark mindestens so gut aus wie am heimischen ADAC-Schreibtisch. Und es gab kaum einen, der von allen Seiten so hohes Ansehen genoss. Denn während sein Arbeitgeber sicherlich keine Motorsport-Veranstaltungen nur zum Spass, sondern auch zum Erzielen von Gewinnen organisierte, waren für Egon der Sport und die Interessen der Aktiven mindestens genau so wichtig.

Der Motorsport war Zeit seines Lebens die große Leidenschaft. Wie bei fast allen der Nach-dem-Krieg-Geborenen begann alles mit Orientierungsfahrten, Meurer galt als hervorragender Beifahrer. Zu Beginn der 1970er Jahre wurden hieraus dann richtige Rallies. „Da sein damaliger Stammfahrer Mitte 1972 aufhörte, sprach Egon mich an und ich willigte sofort ein“, erinnert sich Willi Kleesattel. „Von nun an übernahm er die Regie für unsere gemeinsame Motorsport-Zukunft!“

1973 standen die ersten nationalen ONS-Rallies auf dem Programm, im Winter 1974 wurden dem Opel Ascona 1,6 Sportgetriebe und eine kurze Achse verpasst und ein Jahr später folgte der Aufstieg in die Deutsche Meisterschaft. 1975 ging dem Duo bei der Rallye Vorderpfalz die Strasse aus. Kleesattel: „Ich hatte eine Anweisung von Egon ignoriert und musste feststellen, dass die Rechts hinter der Kuppe doch eine drei minus war und nicht voll ging. Daraufhin fing Egon wieder das Rauchen an …“ Bei der Rallye Bavaria 1974 übernachteten die beiden im Rallyeauto im Parc fermé mangels Hotelzimmer: So waren die Zeiten damals!

Anfang 1976 beschloss Egon Meurer, dass die neue Saison mit „seinem“ Opel Kadett B 1900 bestritten werden soll. Trotz stärkster Konkurrenz von BMW 2002tii, Ford Escort und Opel Kadett C GT/E gelangen Achtungserfolge. „Das Besondere war einfach, dass Egon in seinem Auto auf dem heißen Sitz saß und des Öfteren um sein Auto bangen musste…“, sagt Kleesattel noch heute mit einem Schmunzeln. Meurers Können und Talent war auch anderen nicht verborgen geblieben. Logische Konsequenz: Ford Köln verpflichtete ihn ab 1979 als Beifahrer für Michael Werner in der Deutschen Meisterschaft.

Das Duo Kleesattel/Meurer fand wieder zusammen zur Tour de Corse 1981. „Ich wollte unbedingt einen WM-Lauf bestreiten und nach Möglichkeit auch ankommen“, sagt Kleesattel. „Uns erschien korsischer Asphalt hierfür eher geeignet als portugiesischer Schotter. Leider machte am Ende der ersten Etappe die Hinterachse am Opel Manta B schlapp.“ 1983 startete Meurer zusammen mit seinen Clubkameraden Willi Kleesattel und Herbert Wagenknecht ein paar Mal auf der Nordschleife mit einem C-Coupé, doch die Rundstrecke war nicht das richtige Terrain für ihn.

1986 hing Meurer den Helm vorläufig an den Nagel. „Ist es denn für einen 38jährigen nicht an der Zeit, seinen Platz nach fast 20 Jahren für den Nachwuchs zu räumen?“, sagte Meurer damals der Kölnischen Rundschau. „Ich glaube, wir sind es selbst schuld, dass Fussball einen höheren Stellenwert hat als Motorsport. Wir müssen eben mehr Eigeninitiative ergreifen!“

Gesagt, getan: Meurer widmete sich noch intensiver seiner Arbeit, die 24 Stunden auf dem Nürburgring blüten wieder auf und vor allem Dank seines Einsatzes wurde 1994 die Rallye Köln-Ahrweiler wieder belebt! Denn neben seiner beruflichen Tätigkeit für den ADAC war Meurer engagiertes Mitglied bei der Scuderia Augustusburg Brühl und der Sportfahrergemeinschaft Köln. Ganz entgegen den Tendenzen im modernen Rallyesport, schaffte er es, die Köln-Ahrweiler wieder zur Blüte zu führen. Der Funke der Begeisterung war einfach übergesprungen!

Zu den weiteren Leidenschaften des Egon Meurer zählte der Journalismus. Als Mitherausgeber der Zeitschrift „Motor Sport Regional“ konnte er viele Ortsclubs unterstützen, ihre Veranstaltungen in Wort und Bild zu präsentieren. Ende 1975 wurde die MSR aus finanziellen Gründen an „Sportfahrer“ verkauft. (Diese fusionierte in den 1980er Jahren mit der rallye racing und heißt seit 2002 Autobild Motorsport). Meurer blieb freier Mitarbeiter verschiedener Printmedien und verfasste auch unzählige Texte für den Report des ADAC Nordrhein.

Im Herbst 1997 kaufte sich Meurer einen Rallye Kadett 1100, mit dem Kleesattel und er in 1998 kleinere Veranstaltungen in Angriff nehmen wollten. „Leider kam dann dieser schreckliche Unfall am 21. März 1998 dazwischen“, sagt Kleesattel mit Tränen in den Augen.

Egon Meurer bleibt unvergessen. Die „ADAC Rallye Köln-Ahrweiler in memoriam Egon Meurer“ wird uns immer an ihn erinnern!

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