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2017-11-07
Jäkel/Baldsiefen: 176 Jahre Vollgas
Heinz-Dieter Jäkel und Alfons Baldsiefen nehmen am Freitag und Samstag an der ADAC Rallye Köln-Ahrweiler teil

Nach 35 Jahren erstmals wieder gemeinsam im Cockpit.

Eigentlich könnten sich Heinz-Dieter Jäkel und Alfons Baldsiefen am kommenden Samstag einen gemütlichen Tag auf dem Sofa machen - mit einer Tasse Kaffee in der Hand, einem guten Buch und die Beine hochgelegt. Klarer Fall von "Denkste". Jäkel und Baldsiefen sind mit 68 bzw. 70 Jahren zwar im besten Rentenalter, aber haben beide auch Benzin im Blut. Statt häuslicher Idylle zwängen sich die Motorsportler am Freitag und Samstag in Rennanzüge, nehmen Platz in Schalensitzen, stülpen den Integralhelm mit dem rettenden HANS-System über und warten darauf, dass der Starter die Fahne schwenkt und die wilde Hatz beginnt. Es ist nicht irgendeine Rallye an der die beiden Lindlarer teilnehmen, es ist die Köln-Ahrweiler, eine der Kult-Strecken im Motorsport-Kalender. Und es sind besondere Vorzeichen, die diesen Start begleiten.

Jäkel, 1. Vorsitzender der Renngemeinschaft Oberberg, ist diese Herausforderung von Mensch und Maschine schon mindestens 20 mal gefahren, im vergangenen Jahr sicherte er sich den Klassensieg und schloss auch die Gruppe H als Erster ab. Der Mann kennt sich also aus. Mit Alfons Baldsiefen ist er zuletzt vor 35 Jahren auf die Jagd um Bestzeiten gegangen. Der Co-Pilot, der in den vergangenen Jahren bei vielen Orientierungsfahrten am Start war, kam ziemlich überraschend in den Genuss des Rallye-Feelings 2017. Die Köln-Ahrweiler hat er als Streckenposten schon mehrfach begleitet, aber noch nie auf dem Beifahrersitz eines Rallye-Fahrzeugs. Dieser Wunsch blieb bislang unerfüllt. Das änderte sich im März 2017, als Baldsiefen seinen Geburtstag feierte und ihm seine Kinder einen Platz im Cockpit schenkten - als Co-Pilot von Heinz-Dieter Jäkel.

So geht es am kommenden Donnerstag auf in die Eifel, wo am Freitagabend der Start zur ersten Sonderprüfung erfolgt. Dann machen sich 90 Teams mit Autos, die mindestens 25 Jahre alt sein müssen, daran, sich die besten Startplätze für den Samstag zu sichern. Für das Duo Jäkel/Baldsiefen natürlich eine besondere Herausforderung, denn man musste sich erst wieder aneinander gewöhnen. Der Aufschrieb, den der Beifahrer während der Sonderprüfungen vorliest, beinhaltet heute wesentlich mehr Informationen als früher. Alles kein Grund, die Sache gemächlicher angehen zu lassen. "Wenn der Dieter nicht voll fährt, könnte ich ja auch zuhause bleiben. Ich vertraue seiner Fahrkunst voll und ganz", will Baldsiefen, dass der Lindlarer Rallye-Express mit Vollgas abgeht.

Ein bisschen Unsicherheit steckt noch im neuen Auto, das Jäkel an den Start bringt. Natürlich hätte er den Opel Manta erneut nehmen können, doch ihn reizte jetzt ein Ascona B aus dem jahr 1979, der in zahlreichen Stunden Arbeit aufgebaut und verstärkt, bis auf die Armaturen und die Rennsitze ausgeräumt und mit einem Stahlkäfig versehen wurde. Unter der Haube werkelt ein Zwei-Liter-Doppelvergaser-Motor, der 175 PS an die Hinterachse sendet. Die gesamte Lindlarer Fuhre soll dann von Jäkel gekonnt um die Ecken gewuchtet werden. Angewiesen ist er dabei auf die korrekte Ansprache seines Co-Piloten, kommuniziert wird über eine Gegensprechanlage. "Wir sind mit 176 Jahren inklusive Auto sicherlich das älteste Team, aber so ehrgeizig wie alle anderen auch", freut sich Baldsiefen auf die Erfüllung seines Herzenswunsches. Und Jäkel überrascht zum Schluss noch mit einem offenen Geständnis. Er würde nie auf den Beifahrersitz eines Rallye-Fahrzeuges Platz nehmen. "Ich bin doch schon ängstlich, wenn nur meine Frau fährt", meint er mit einem Lächeln.

Von Bernd Vorländer

Quelle: www.Oberberg-Aktuell.de





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